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Montag, 15. Dezember 2003
it was so good to be independent
funkychris, 20:14h
wer in hessen wohnt hatte es gut.
konnte man doch im lande der sonst so konservativen rtl-gucker und sonntagskirchgänger plötzlich ungewöhnlichen geräuschen aus dem äther lauschen.
ein paar wagemutige hatten im hessischen rundfunk den versuch unternommen radio abseits von zielgruppenforschung und aalglatter mainstream musik zu machen. HR-XXL hieß der aufschrei einer generation, die es satt hatte sich der medialen gehirnwäschen einer privaten rundfunkplattenverkaufsmaschinerie zu unterziehen. was der hessische rundfunk rückblickend zum sprachrohr der elektro- und technoszene stilisiert, war in wirklichkeit viel mehr ein unbequemer, kauziger mix aus randprodukten quer durch alle spaten, die ihren majorkollegen noch kräftig ins gesicht spuckten.
sicherlich musste auch diese jugendwelle, wie es im intedantenjargon so schön heisst, ihre brötchen verdienen. zwischen 15 und 19 uhr sah das programm den privaten sendern zu verwechseln ähnlich. wer sich davon nicht abschrecken ließ, wusste, spätestens ab 22 uhr ist schluss mit seichter kaufhausuntermalung.
satt dessen gab es spartenprogramm vom feinsten. von gothic bis electroclash beherrschten die moderatoren ihr genre nahezu aus dem effeff.
doch nun soll, nach dem willen der hr-führung, schluss sein mit dem verlustgeschäft independent radio -ein begriff der rückblickend zwar melancholisch beschönigend wirkt, im vergleich zu dem angebot der privaten konkurrenz aber durchaus gerechtfertigt erscheint.
YOU FM soll das mediale guckucksei heißen, dass das von stolzen eltern gerade hochgepäppelte xxl aus dem programm wirft.
schon bei den vollmundigen ankündigungen des senders schwant scheinbar eingeweihten böses. "young fresh music" und der "youfm sexy satelliten smart" erinnern in ihren vor falschen anglizismen nur so strotzenden ankündigungen verdächtig an jene zeit als sich der kölner musiksender viva eintschied sein verlustreichen spartenprogramm viva2 gegen ein bonbonfabenes plastikimplantat einzustampfen, dass allenfalls bei handybetreibern und skrupellosen plattenmulties für kurzfristige glücksgefühle sorgt.
nachdem sich nun auch der hr entschieden hat, seinen beitrag zur allgemeinen volksverdummung zu leisten - ist es nicht irgendwie bezeichnend, dass in diesem jahr mit neil postman
("wir amüsieren uns zu tode") einer der größten medienkritiker unserer tage gestrorben ist - bleibt mir nur noch leise tschüß zu sagen.
danke xxl, danke dopebeatz, freestylistic, toast
danke für die 6 die ihr mich durch den wahnsinn des täglichen lebens begleitet habt.
machts gut.
zum andenken an die letzten tage, stelle ich den abschiedstrailer von viva2 online.
die zuhörer haben entschieden.
ja früher war eben doch alles besser.
damals, in hessen.
konnte man doch im lande der sonst so konservativen rtl-gucker und sonntagskirchgänger plötzlich ungewöhnlichen geräuschen aus dem äther lauschen.
ein paar wagemutige hatten im hessischen rundfunk den versuch unternommen radio abseits von zielgruppenforschung und aalglatter mainstream musik zu machen. HR-XXL hieß der aufschrei einer generation, die es satt hatte sich der medialen gehirnwäschen einer privaten rundfunkplattenverkaufsmaschinerie zu unterziehen. was der hessische rundfunk rückblickend zum sprachrohr der elektro- und technoszene stilisiert, war in wirklichkeit viel mehr ein unbequemer, kauziger mix aus randprodukten quer durch alle spaten, die ihren majorkollegen noch kräftig ins gesicht spuckten.
sicherlich musste auch diese jugendwelle, wie es im intedantenjargon so schön heisst, ihre brötchen verdienen. zwischen 15 und 19 uhr sah das programm den privaten sendern zu verwechseln ähnlich. wer sich davon nicht abschrecken ließ, wusste, spätestens ab 22 uhr ist schluss mit seichter kaufhausuntermalung.
satt dessen gab es spartenprogramm vom feinsten. von gothic bis electroclash beherrschten die moderatoren ihr genre nahezu aus dem effeff.
doch nun soll, nach dem willen der hr-führung, schluss sein mit dem verlustgeschäft independent radio -ein begriff der rückblickend zwar melancholisch beschönigend wirkt, im vergleich zu dem angebot der privaten konkurrenz aber durchaus gerechtfertigt erscheint.
YOU FM soll das mediale guckucksei heißen, dass das von stolzen eltern gerade hochgepäppelte xxl aus dem programm wirft.
schon bei den vollmundigen ankündigungen des senders schwant scheinbar eingeweihten böses. "young fresh music" und der "youfm sexy satelliten smart" erinnern in ihren vor falschen anglizismen nur so strotzenden ankündigungen verdächtig an jene zeit als sich der kölner musiksender viva eintschied sein verlustreichen spartenprogramm viva2 gegen ein bonbonfabenes plastikimplantat einzustampfen, dass allenfalls bei handybetreibern und skrupellosen plattenmulties für kurzfristige glücksgefühle sorgt.
nachdem sich nun auch der hr entschieden hat, seinen beitrag zur allgemeinen volksverdummung zu leisten - ist es nicht irgendwie bezeichnend, dass in diesem jahr mit neil postman
("wir amüsieren uns zu tode") einer der größten medienkritiker unserer tage gestrorben ist - bleibt mir nur noch leise tschüß zu sagen.
danke xxl, danke dopebeatz, freestylistic, toast
danke für die 6 die ihr mich durch den wahnsinn des täglichen lebens begleitet habt.
machts gut.
zum andenken an die letzten tage, stelle ich den abschiedstrailer von viva2 online.
die zuhörer haben entschieden.
ja früher war eben doch alles besser.
damals, in hessen.
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